Betriebssspionage

Wie Unternehmen sich schützen können.
Gerade der deutsche Mittelstand, aus dem ein erheblicher Teil der Erfindungen und Patente hervorgeht, ist für die Spionagegefahr nicht ausreichend sensibilisiert. Die Dunkelziffer ist extrem hoch. Nur Großunternehmen haben in der Regel eine Sicherheitsprävention, die professionell arbeitet. Es liegt in der Natur der Spionage, dass man ihr tatsächliches Ausmaß schwer einschätzen kann. Aus Angst vor Image-Schäden haben die betroffenen Unternehmen kein Interesse daran, dass Spionagefälle bekannt werden.

Deutschland ist als Hochtechnologiestandort besonders von Spionage bedroht. Immer wieder ergeben sich Indizien und Verdachtsmomente, die darauf hinweisen, dass Deutschland sowohl Ziel der staatlichen Wirt­schaftsspionage durch die Nachrichtendienste fremder Länder als auch Opfer der Konkurrenzspionage durch internationale Wettbewerber ist.

 

Nach dem Ende des kalten Krieges und der Auflösung des Ostblocks sind bei vielen Geheimdiensten Ressourcen freigesetzt worden, die heute u.a durch Wirtschaftsspionage genutzt werden können. Inwieweit auch befreundete Geheimdienste ihre nachrichtendienstliche Infrastruktur aus der Zeit des kalten Krieges für die Wirtschaftsspionage einsetzen, lässt sich nicht abschließend klären: Zwar verweist die Bundesregierung zu Recht auf fehlende Beweise, doch halten sich - wie im Falle des elektronischen Systems Echolon - die Verdachtsmomente sehr hartnäckig.

Auch die derzeitigen Veränderungen in den Unternehmensstrukturen und -kulturen machen es den Wirtschaftsspionen leichter. Der härtere Konkurrenzkampf unter den Mitarbeitern und die immer kürzere Verweildauer von Mitarbeitern in den Unternehmen haben die Grundbereitschaft zur Informationsweitergabe deutlich ansteigen lassen. Auch durch die Ausgliederung von Unternehmensbereichen („Outsourcing'') und die Übertragung von Aufgaben an Unternehmensberatungen hat sich der Informationsfluss vom Unternehmen nach außen gleichermaßen erhöht. Wer gezielt nach Informationen sucht, hat leichteren Zugang denn je.

Welche Bereiche sind heute besonders gefährdet?
Besonders gefährdet sind die jungen Informations- und Kommunikationstechniken, wie E-Mail und das Internet. Obwohl diese Techniken unter Sicherheitsgesichtspunkten noch keineswegs ausgereift sind. werden sie bereits häufig eingesetzt. Von Wirtschaftsspionage sind gerade auch kleine und mittlere Unternehmen betroffen, in die Spione aufgrund mangelnder Sicherheitsvorkehrungen leicht eindringen können. Zudem eignen sich mittlelständische Zulieferer aufgrund ihrer Verzahnung mit Produktionsprozessen der Konzerne auch als Operationsbasis für Angriffe auf große Unternehmen. Gefährdet ist jedoch grundsätzlich jedes Unternehmen, besonders wenn es in einer innovativen Branche tätig ist.

Wie Sie sich durch Prävention wehren können:
Eine wirksame Prävention von Wirtschaftsspionage muss mit der Analyse der akuten Bedrohung und der Schwachstellen des Unternehmens beginnen. Anschließend müssen die Risiken bewertet werden und ein Konzept mit konkreten Schutzmaßnahmen erarbeitet werden. Das Konzept muss Maßnahmen für alle relevanten betrieblichen Bereiche umfassen: Den Menschen als Informationsträger, die betriebliche Aufbau- und Ablauforganisation, bauliche und technische Maßnahmen und besondere Risikobereiche, wie die gesamte Informationsverarbeitung. Ich empfehle für eine wirksame Prävention die unten zusammenfassend dargestellten Schritte. Die empfohlenen Maßnahmen sollten in Kooperation mit einem erfahrenen Sicherheitsexperten auf die spezielle Situation des gefährdeten Betriebes abgestimmt werden. Hier helfen Ihnen kompetente Sicherheitsmanager.

Schutzbedürftigkeit ermitteln: Das Unternehmen muss sich die Frage beantworten, an welchen Informationen die Konkurrenz interessiert sein könnte. Dies können Informationen aus Forschung und Entwicklung, Produktion, Einkauf, Verkauf, Finanzwesen, Personalpolitik, Aquise, Kundendaten oder Controlling sein.
Rechnen Sie damit, dass ein möglicher Angreifer, viel mehr Potential freimacht, als Sie es sich in Ihren kühnsten Träumen überhaupt vorstellen können. Kennen Sie ihre "schwachen" Stellen ??

Bedrohung analysieren:  Die möglichen Angriffspunkte für Wirtschaftsspionage müssen analysiert werden - Mitarbeiter, Kommunikationstechnik, Betriebsgelände oder Zulieferer.
Risiko bewerten: Der gefährdete Betrieb muss sich über die drohenden Verluste im Spionagefall Klarheit verschaffen und auf dieser Basis Prioritäten für die Schutzmaßnahmen setzen.

Sicherheitskonzeption entwickeln: Das Schutzkonzept sollte alle relevanten betrieblichen Bereiche einbeziehen -personelle, organisatorische, rechtliche, und technische Maßnahmen.

Personelle Maßnahmen: Vor allem bei der Personalauswahl und bei der Zugangsregelung für Mitarbeiter fremder Firmen sollte auf Sicherheitsaspekte geachtet werden.

Organisatorische Vorkehrungen: Es sollte ein möglichst hochrangiger Sicherheitsbeauftragter für das Unternehmen benannt werden, der nach entsprechender Schulung ein kurze Sicherheitsanweisung für alle Mitarbeiter erarbeitet, die eindeutig über bestehende Schutzmaßnahmen und individuelle Pflichten informiert.

Rechtliche Maßnahmen: In den Arbeitsverträgen sollte festgelegt werden, dass Mitarbeiter bei der Weitergabe sensibler Infor­mationen mit Kündigung rechnen müssen. Zudem sollte für den Fall des Firmenwechsels die Rückgabe aller internen Unterlagen vereinbart werden.

Technische Sicherungen: Insbesondere gilt es, die Datenverarbeitungssysteme zu schützen - durch Zugangssperren, Kabel- und Netzsicherungen und Verschlüsselungstechniken.

Aber !!
Nicht nur darüber reden, sondern auch handeln. Wer nicht bereit ist, sich kompetent schützen zu lassen, der wird irgendwann unweigerlich ein Opfer seiner eigenen arroganten Überheblichkeit und bezahlt möglicherweise mit einem (seinem) Unternehmen.


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